Herbstspaziergang mit Hund – sicher durch die Jagdzeit
Herbstzeit ist Jagdzeit. So schön der bunte Herbstwald zum Spazierengehen mit Hund auch sein mag, im Herbst ist besondere Vorsicht geboten. Denn wenn es kälter wird, der erste Frost einsetzt und die Blätter sich bunt färben, holen Jäger ihre Flinte heraus. Was du zur Jagdsaison als Hundebesitzer beachten musst, wie du dich mit Hundemänteln, Reflexausrüstung und Anti-Jagd-Training auf Hundespaziergänge zur Jagdzeit vorbereiten kannst, liest du hier.

Wann ist Jagdzeit in Deutschland und was bedeutet das für Hundebesitzer?
Je nach Wildtierart kann die Jagdzeit das ganze Jahr über laufen, allerdings gibt es für jede Tierart unterschiedliche Bestimmungen. Außerdem gilt von März bis August im gesamten Bundesgebiet die sogenannte Schonzeit, wobei diese auch von der jeweiligen Tierart abhängig ist. In diesen Monaten soll sich das Wild um seinen Nachwuchs kümmern und die Population sich erholen. In der Sommerzeit brauchst du daher keine Angst vor Schüssen oder aufgescheuchtem Wild zu haben. Ab September solltest du dich dann aber über die Jagdzeiten deiner Region informieren, insbesondere, wenn du mit deinem Hund regelmäßig im Wald oder in Waldnähe spazieren gehst. Im Bundesjagdgesetz erhältst du eine Übersicht über die Bundesjagdzeiten als Orientierung, ein Blick in die regionalen Bestimmungen ist dennoch unabdinglich.
Warum müssen Hundebesitzer während der Jagdzeiten besonders vorsichtig sein?
Während der Jagd können Schüsse Hunde in Panik versetzen oder er kann dem aufgescheuchten Wild nachsetzen. Eine Jagd dient unter anderem dazu, die Populationen verschiedener Wildtierarten einzudämmen, da ihre Selbstregulation in unseren Kulturlandschaften von bewirtschafteten Wäldern, Wiesen und Feldern schlichtweg nicht funktioniert. Sie ist damit eine sinnvolle und nachhaltige Lösung zum Erhalt der Lebensgrundlagen von sowohl Mensch als auch Wildtier wie auch ein wichtiger Bestandteil des Natur- und Artenschutzes.
Nun ist Hunden ein Jagdtrieb angeboren, bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger stark ausgeprägt. Selbst Hunde, die ursprünglich nicht zur Jagd gezüchtet wurden, können in der einen oder anderen Form Jagdverhalten zeigen. Jagen setzt Glückshormone bei Hunden frei, weshalb sie nur schwer aus der Fährtensuche herauszuholen sind. Dazu in unseren untenstehenden FAQs mehr.
Dürfen Jäger einen Hund erschießen, wenn er Wild jagt?
Unter bestimmten, gesetzlich strengen Voraussetzungen darf ein Jäger einen wildernden Hund schießen, wenn sich dieser außerhalb des Einflussbereichs des Halters befindet und keine Maßnahmen zum Abhalten wirken. Im Detail sind die Gesetze zum Abschuss von wildernden Hunden in den Bundesländern geregelt.
Damit es gar nicht erst zu einer solchen Situation kommt, solltest du deinen Hund während der Jagdzeit am besten an der Leine lassen oder ausgerufene Jagdgebiete meiden.
Welche Hunderassen haben einen besonders ausgeprägten Jagdtrieb?
Hunde mit angezüchtetem Jagdtrieb sind vor allem Weimaraner, Magya Viszla, Dackel oder Beagle, doch auch Hunde anderer Rassen oder Mischlingshunde können ein ausgeprägtes Jagdverhalten zeigen.
Zu den typischen Jagdhunderassen zählen:
- Weimaraner
- Magya Viszla
- Deutsch Draht- und Langhaar
- Irish Setter
- Terrier aller Art
- Labrador Retriever
- Beagle
- Münsterländer
- Dackel
- English Springer Spaniel

Jeder Hund wurde ursprünglich zu einem bestimmten Zweck gezüchtet, der in seiner DNA verankert ist, selbst wenn er für diesen Zweck gar nicht eingesetzt wird. Bedenke, dass der Jagdtrieb nicht nur den typischen Jagdhunden vorbehalten ist, sondern beispielsweise auch Hütehunde diesen besitzen. Bei Nicht-Jagdhunden nimmt das Jagdverhalten nur andere Formen an, Border Collie beispielsweise fixieren und treiben „ihre Beute“.
Unabhängig von der Hunderasse sind ausnahmslos alle Hundebesitzer in der Jagdzeit dazu aufgefordert, Fährtensuche, Jagdverhalten und potenzielles Wildern ihrer Hunde zu unterbinden.
Wie bereite ich meinen Hund auf Spaziergänge während der Jagdzeit vor?
Für einen sicheren Herbstspaziergang solltest du dich zuerst über die örtlichen Jagdzeiten informieren, bevor du deinen Hund mit Halsband und Kontaktdaten, Leine und Leuchtmittel ausstattest. Denn im Herbst ist neben der Jagdzeit und die einkehrende Dunkelheit besondere Vorsicht für Hundebesitzer geboten. Wenn du dich aber auf deine Herbstspaziergänge mit Hund entsprechend vorbereitest, hast du schon sehr viel für eure Sicherheit getan.
1. Vor dem Spaziergang Gebietskarten studieren
Mach dich mit den Gebietskarten und Jagdzeiten in deiner Region vertraut. So kannst du den größten Gefahren aus dem Weg gehen und musst nicht bangen, ob sich dein Hund vor Knallgeräuschen erschreckt. Checke auch Betretungsverbote von Schutzgebieten, um im wahrsten Sinne des Wortes auf der sicheren Seite zu bleiben.
2. Halsband mit Kontaktdaten versehen
Wir wollen nicht an den schlimmsten Fall denken, müssen dennoch darauf vorbereitet sein. Kommt dir dein Hund doch einmal abhanden (sei es durch Erschrecken nach Knallgeräuschen oder der Rückruf klappt bei der Fährtensuche nicht), ist es wichtig, dass Finder ihn schnell zu dir zurückbringen können.
Versehe dafür das Halsband oder Hundegeschirr mit deinen Kontaktdaten, über die Finder dich kontaktieren können. Bei manchen Halsbändern gibt es die Möglichkeit, deine Telefonnummer direkt auf das Halsband zu schreiben, doch kann es hier passieren, dass die Stofffasern die Farbe aufsaugen und die Ziffern verschwimmen. Besser geeignet ist eine Hundemarke am Halsband, die du vorher mit wasserfestem Stift beschrieben hast und auf der dein Kontakt gut leserlich geschrieben steht.
3. Sichtbarkeit von Hund und Halter durch Reflexmittel
Mach dich und deinen Hund für Jäger und Förster sichtbar! So schließt du Verwechslungen mit Wildtieren aus. In den eignen Augen mag man keine große Ähnlichkeit mit Rehen oder Wildschweinen haben, doch im Herbst verändert sich die Umgebung und mit ihr die Sichtverhältnisse. Da kann es schon einmal schwer werden, das sich bewegende Objekt von zum Abschuss freigegebenen Wildtieren zu unterscheiden. Verlass dich nicht blind auf das Urteilsvermögen der Jäger, sondern mach deutlich sichtbar, dass dein Hund zur dir gehört!
Es ist unabdinglich, deinen Hund mit Reflexmänteln in Signalfarbe auszustatten. Ist es dämmrig und neblig, sind zusätzliche Leuchtmittel obligatorisch.
Was den Hund sichtbar macht, gilt auch für dich: Mache dich durch helle, reflektierende Kleidung und Leuchtmittel sichtbar und kenntlich. Zusätzlich können Kopflampen und Taschenlampen für zusätzliche Signalwirkung sorgen. Mit einer Hundepfeife zur Hand erleichterst du dir nicht nur den Rückruf deines Hundes, sondern teilst mit deiner Umgebung auch das Signal mit, dass es einen zur dir dazugehörigen Hund gibt.
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4. Entwurmung & Impfstatus des Hundes auf den aktuellen Stand bringen
Zwar hat der Entwurmungs- und Impfstatus des Hundes keinen direkten Zusammenhang mit der Jagdzeit an sich, allerdings kann dein Hund im Herbst Zecken, Würmer, Grasmilben und Flöhe aufsammeln und mit Krankheitserregern infiziert werden. Halte daher den Impfstatus deines Hundes aufrecht. Außerdem können Zeckenschutzmittel für Hunde das meiste Ungeziefer abhalten. Nach dem Spaziergang solltest du deinen Hund nach Zecken & Co. absuchen und gegebenenfalls mit einer Zeckenzange entfernen.
Häufig gestellte Fragen ums Thema Hund, Spaziergang, Jagdzeit
Wie verhalte ich mich mit meinem Hund, wenn im Wald gejagt wird?
In der Jagdsaison gilt für Hunde eine absolute Leinenpflicht und Leinenführigkeit! Damit dein Hund sich nicht erschreckt oder gar panisch das Weite sucht, halte ihn grundsätzlich an der Leine. Um seinem Bewegungsdrang mit einem größeren Radius nachzukommen, kannst du dann auf eine Schleppleine zurückgreifen.
Wird in deiner Nähe geschossen, mache dich bemerkbar, damit alle beteiligten Jäger wissen, dass sich Menschen mit ihren Hunden in der Nähe aufhalten. Bleibe auf den markierten Wegen, das sind meist die Hauptwege, unternimm keine Abenteuer auf Abwegen. Und wenn du einem Jäger begegnest, sprich ihn an und frage nach, wo die Jagd stattfindet und in welchem Gebiet du dich mit deinem Hund bewegen darfst.
Was kann ich tun, wenn mein Hund durch Knallgeräusche Panik bekommt?
Wenn dein Hund bei Knallgeräuschen Panik bekommt, solltest du in erster Linie Ruhe bewahren und ihn zuvor gut mit einem Hundegeschirr an der Leine gesichert haben. Entferne dich dann zügig, aber ruhig von der Geräuschquelle.
Silvester und Treibjagden haben eins gemeinsam: ihre Knallgeräusche machen den meisten Hunden Angst. Manche Hunde erschrecken sich nur kurz, wie es typisch ist, wenn man von einem plötzlich lauten Geräusch überrascht wird. Doch es gibt auch Hunde, die panisch werden und sich aus ihrem Halsband oder Hundegeschirr herauswinden.

Für diese Hunde empfiehlt sich ein Sicherheitsgeschirr, das über einen dritten, zusätzlichen Gurt um den Rumpf des Hundes verfügt. Ein ausbruchsicheres Hundegeschirr, das bei ängstlichen und panischen Hunden verhindert, dass sich dieser aus dem Geschirr windet, kann in der Jagdsaison unabdinglich sein.
Kann ich meinen Hund an Knallgeräusche gewöhnen?
Ein „Antischrecktraining für Hunde“ durch Desensibilisierung ist bei besonders ängstlichen Hunden empfehlenswert, um sie an Spaziergänge während der Jagdzeit zu gewöhnen und so Unfälle zu vermeiden.
Die Desensibilisierung von ängstlichen Hunden bei Knallgeräuschen bedarf Zeit, Geduld und Kreativität. Beispielsweise kannst du dem Hund aufgeblasene Luftballons zum Spielen geben. Platzen diese im Spiel und erschrickt sich der Hund, reagierst du entweder durch Ignorieren oder überschwängliches Lob, um dem Hund zu vermitteln, dass der Knall nichts schlimmes bedeutet.
Auch das Abspielen von Knall- und Silvestergeräuschen über Lautsprecher ist eine bewährte Methode in der Desensibilisierung von ängstlichen Hunden. Beginne mit einer geringen Lautstärke und lobe deinen Hund mit Leckerlis oder beschäftige ihn währenddessen mit einem Suchspiel oder einer anderen angenehmen Beschäftigung. Bleibt der Vierbeiner entspannt, kannst du die Lautstärke nach und nach erhöhen.
Kann ich meinem Hund das Jagdverhalten abgewöhnen?
Der Jagdtrieb eines Hundes lässt sich nie vollständig abgewöhnen, da er genetisch verankert ist und zu einem Selbstbelohnungseffekt führt. Jedoch lässt sich die Impulskontrolle und der Gehorsam des Hundes über konsequentes Rückruftraining stärken, sodass unerwünschtes Wildern unterbunden wird.
Hunde wollen beim Spaziergang nicht nur ihrem Bewegungsdrang nachgehen. Ein Spaziergang ist aus Sicht des Hundes erst dann erfolgreich, wenn er ausgiebig schnüffeln konnte. Das Schnüffeln ist für Hunde ein arttypisches Bedürfnis. Wenn sie eine Fährte aufnehmen und dieser nachgehen, werden im Gehirn des Hundes Glückshormone ausgeschüttet. Das Jagdverhalten führt beim Hund zu einem Selbstbelohnungseffekt und Glücksrausch, der ihn in einen regelrechten Tunnel bringt – für andere Reize ist er dann taub.

An einer Schleppleine kannst du mit gezieltem Anti-Jagd-Training den Rückruf auch unter erschwerten Bedingungen trainieren. Beginne dafür jedoch in einer möglichst reizarmen Umgebung und steigere die Ablenkung langsam. Das Ziel ist es, das selbstbelohnende Verhalten beim Jagen für den Hund weniger attraktiv zu gestalten, als die Belohnung, die er von dir bei gehorsamem Rückruf erhält. Noch besser ist es, wenn du den Hund gar nicht erst in den Glücksrausch kommen lässt, indem du den Hund bereits bei der ersten Fährtenaufnahme zurückrufst.
Hole dir für das Anti-Jagd-Training am besten einen erfahrenen Hundetrainer heran, der mit dir gemeinsam und korrektem Einsatz von Leckerlis, Pfeife und Schleppleine den Rückruf erfolgreich antrainiert.
Was sollte ich tun, wenn mein Hund während der Jagdzeit entläuft?
Ruhe bewahren, an Ort und Stelle warten und den Hund deutlich zurückrufen. Bleibt dein Hund auch nach längerer Suche vor Ort entlaufen, informiere die Polizei, die örtlichen Jagdpächter/Förstereien und Tierheime.
Es kann auch dem gehorsamsten Hund passieren, dass er sich erschreckt, panisch wird und die Flucht ergreift.

Verschwindet der Hund aus deinem Sichtfeld, solltest du nicht in Panik verfallen, sondern Ruhe bewahren und den Hund zurückrufen. Meistens reicht dies bereits aus – der Hund verliert die Spur oder die Ausdauer und kommt von allein zurück. Kommt er zurück, solltest du ihn nicht bestrafen, sondern ihn für seine Rückkehr belohnen, um einen nachhaltig positiven Trainingseffekt zu erzeugen. Denn die Belohnung bei folgsamem Gehorsam sollte größer sein als der Rausch beim Selbtbelohnungseffekt. Hunde, die nach einer gewissen Zeit nicht an den Verlustort zurückkehren, können auch den Weg nach Hause einschlagen. Informiere am besten eine zweite Person von unterwegs, die nachschaut, ob dein Hund bereits nach Hause gefunden hat.
Kommt dein Hund nicht zurück, beginnst du mit der Suche vor Ort. Auch hier gilt: Ruhe bewahren! Nicht dem Hund panisch hinterherrennen, was ihn verunsichern kann und ihn noch mehr von dir forttreibt. Es kann auch helfen, ein Kleidungsstück am Verlustort zurückzulassen, da der vertraute Geruch deinen Hund zurückholen und dort halten kann. Und dann gestaltest du die Suche sternförmig, indem du immer wieder zum Ausgangspunkt zurückkehrst, bevor du einen neuen Weg einschlägst. Auf diese Weise verteilst du systematisch deinen Geruch, dem der Hund dann folgen kann.
Sollte sich dein Hund trotz längerer Suche nicht finden lassen, solltest du die Polizei und die örtlichen Jagdpächter/Försterei über einen entlaufenen Hund informieren. Auch Tierheime können eine gute Anlaufstelle sein, dies jedoch eher dann, wenn der Hund bereits über einen längeren Zeitraum als vermisst gilt.